Den neuesten demografischen Berichten zur Folge gehöre ich einem vom Aussterben bedrohten Volk an. Im Jahr 2003 lebten genau so viele Bulgaren, wie im Jahre 1961. Angesichts dieser kniffligen Situation, halte ich es für unerlässlich nun einen kurzen Exkurs in bulgarischer Geschichte zu bieten. Damit die Welt nach uns nicht vergisst, wer einem berühmten Luxushersteller den Namen gab.
Versetzen wir uns doch mal zurück ins entfernte 1995. Das Jahr der vierten EU-Erweiterung. Und das Jahr in dem Bulgarien wieder eine kommunistische eine neue sozialdemokratische Regierung bekam. In diesem Jahr sollte die Rechnerwelt eine Fensterrevolution erleben. Und das Internet wurde um einen weiteren User bereichert - den damals 108 Monate alten Herr Bellerophon.
101000111… Verdammt! Stop! Ab jetzt wird’s analog (na ja, eigentlich eher pseudoanalog). Angefangen hat alles am Freitag, als ich mich 8 Stunden lang mit digitaler Regelung befasste. Zur Abwechslung kamen dann am Samstag digitale Sensorstrukturen ran. Und heute noch 10 Stunden lang digitale Messtechnik. Irgendwie werde ich jetzt das Gefühl nicht los, dass eine Stimme in meinem Kopf ständig die folgende Botschaft wiederholt:
Ein Wort hat mir in den letzten Tagen ziemlich viel Kummer bereitet. Ein kurzes Kompositum bestehend aus zwei Lexemen lateinischen Ursprungs, dessen semasiologische Erschließung eine große Herausforderung für meine hermeneutischen Fähigkeiten darstellte.
Unimodular.
Ja, sie ist da. Deutlich präsent. Hier sollte schon längst ein Text über einige interessante weitere Begegnungen mit meinem Lieblingspraktikumsgruppenmitglied mit der amputierten Eigenschaft eigene Fehler zugeben zu können gestanden haben. Oder darüber, wie mir von einem unfreundlichen Menschen gesagt wurde, ich solle freundlicher werden. Oder über die bezaubernden Seiten von Spandowien. Auch über dem netten Cafe in dem ich neulich lecker gegessen hab. Und ein interessantes Gespräch geführt habe. Über wichtige Ereignisse in meinem Heimatland. Oder einfach darüber wie gern ich mal wieder tanzen gehen würde. Oder wie gern ich wieder die sanften Wellen des Meeres mit meiner Hand spüren würde. All dies. So nah und doch so ungreifbar fern. Verschoben. Auf irgendwann mal. Wenn die Welt ein besserer Ort geworden ist. Nach den Prüfungen.
Heute im Labor haben wir einen Regler für sowas hier entworfen und getestet. Und ich durfte die Störung sein (den Stab von der Seite stoßen)! Ich finde, so ein Pendel wäre duchraus ein angebrachtes Geschenk für meinen in weniger als 4 Monaten kommenden Burzeltag! ![]()
Die Kombination aus nicht ausgeschlafen sein und einer anstrengenden universitären Tätigkeit am frühen morgen sind durchaus nicht den Umgang mit anderen Menschen fördernde Umstände. Wenn die besagten Individuen zudem auch noch durch diverse Reaktionen (die Ich-weiss-sowieso-alles-besser-Einstellung und bin so gut, dass ich selbst den Tutor nicht zu Wort kommen lasse) provozierend wirken, dann kommt ein Herr Bellerophon zum Vorschein, den manch einer nie für möglich gehalten hätte. Es ist ein wortgewandtes, stures und bis zum bitteren Ende ehrliches Geschöpf. So ehrlich, dass es eben die Wahrheiten über die Anderen, die es sonst nie so direkt und schmerzvoll treffsicher zum Ausdruck gebracht hätte, dem gegenüber mitteilt. Schön in einem Nebensatz verpackt, konzentriert in ein bis zwei äußerst präzise Wörter. Und mit einem kalten spöttischen Grinsen im Gesicht, das den anderen einfach in den Wahnsinn treibt.
Gestern gegen 10:30. Ahnungslos sitze ich an meinem Arbeitsplatz und bilde mich fort um der Hausfrau von morgen das Leben leichter zu machen. Im Augenwinkel erkenne ich eine mir unbekannte Gestalt, die sich blitzartig nähert, ruck zuck den Stuhl des Nachbarkollegen, der gerade in einer Besprechung war, neben meinem platziert und sich hinsetzt. Und ehe ich meinen Kopf in die Richtung des Ankömmlings drehen kann, höre ich die Worte: “Ey, du gehst doch auch in die Vorlesung X bei Professor Y?!”. Ich gucke den jungen Mann fernostasiatischer Herkunft etwas irritiert an und werde noch unruhiger, da dieser mich konzentriert ansieht und mit seinem Zeigefinger auf mich zeigt. Habe ich was falsch gemacht? Ist es ein Verbrechen, die Vorlesung zu hören? Sollte ich vielleicht lieber die Arme heben und für meine Unschuld plädieren. Nachdem ich bestätigend nicke fährt der Typ fort: “Ich weiß, du hast da schon mal auf zwei Fragen geantwortet. Und du sitzt immer mit diesen Typen zusammen, mit denen ihr soviel redet.” OMG. Habe ich nun meinen eigenen Stalker?! Oder gibt’s hier eine versteckte Kamera?
Manch einer hat sich bestimmt schon gefragt, wieso es hier im Blog so ruhig geworden ist. Schuld daran sind vor allem vielerlei verschiedene, äußerst zeitaufwändige und unspassige Unibeschäftigungen mit denen ich mich zur Zeit rumplagen muss. Mein Alltag besteht in der Regel aus morgens früh aufstehen, zur Uni bzw. Arbeiten gehen und dann je nach Wochentag 6-10 Stunden da verbleiben. Abends werden benotete Protokolle (für diejenigen, die noch nie ein ingenieurwissenschaftliches Protokoll zu sehen bekommen haben - es handelt sich um eine 30-35 seitenlange schriftliche Arbeit) geschrieben, die stets in einem Zweiwochentakt abgegeben werden müssen. Parallel bereitet man sich für Tests vor, die einem ebenfalls alle 14 Tage Freude bereiten. Und spätestens wenn man dazu noch ein benotetes Englischpaper schreiben und abgeben muss, mit der natürlich dazugehörigen 30minütigen Präsentation, macht das Leben echt keinen Spass mehr. Das Wort “Leben” ist in diesem Fall eher unpassend. “Schattenexistenz” trifft es wohl eher zu.
Und nun versuche ich mal den “Sich-Beklagen-Modus” abzuschalten…
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